B O T E N  D E R  L I E B E       A N  A L M A ,  C L A R A,  M A T H I L D E  U N D  I S O L D E

 

Ein Streichquartett von Richard Wagner oder Gustav Mahler? Hat sich die Musikwelt das nicht schon immer gewünscht? Das Voyager Quartet geht auf Seelenwanderung und überbringt klingende Liebesbriefe, verschlüsselte Botschaften und geheime Nachrichten, geschrieben von Richard Wagner und Gustav Mahler, gerichtet an ihre Musen Alma und Mathilde. Ein Psychogramm in betörenden Tönen über das in jener Zeit Unaussprechliche, „recomposed“ für Streichquartett - das Medium für spirituelle Botschaften.

 

I S O L D E

Die Liebe Tristans und Isoldes als Passion steht hier über allen gesellscha[lichen Normen. Wir werden zu Komplizen einer verbotenen, heimlichen Liebe. Von dieser Musik geht eine süchdg machende Sogkra[ aus, die sich wohl in Worte nur schwer fassen lässt. Das beginnt schon mit dem berühmten Tristan-Akkord. Dieser Akkord hat die Musik verändert wie keiner zuvor und keiner danach. 1849 haUe sich Richard Wagner ins Exil nach Zürich begeben, wo wenige Jahre später die Liebesromanze mit Mathilde Wesendonck begann. Aus dieser aufwühlenden Liebe entstand »Tristan und Isolde«, wofür ihr der Komponist »aus defster Seele in alle Ewigkeit« dankte.

 

M A T H I L D E

Es ist früher Morgen am 23. Dezember 1857 und die biUersüßen Klänge eines Kammerensembles, das eine leidenscha[liche Liedbearbeitung aufführt, weht durch die Villa auf Zürichs »grünem Hügel« - eine schöne Art, die Dame des Hauses, Mathilde Wesendonck am Morgen ihres 29. Geburtstages zu wecken. Die romandsche Geste wurde von Richard Wagner inidiert, und das Lied, das aufgeführt wird, ist sein kürzlich komponiertes »Träume« zu ihrem Text. Aber die Frau, die gerade aufwacht, ist nicht seine Frau, es ist die Frau seines Schutzpatrons, seine Muse. Die Wesendonck-Lieder sind als Vorstufe zum Tristan zu verstehen, der ja ebenfalls das Werk der unerfüllten Liebe zu Mathilde ist. Der gesamte Zyklus gilt seit seinem Erscheinen unzweifelha[ als eines der Meisterwerke deutscher Liedkunst.

 

A L M A

Mahlers Idol war schon in jungen Jahren Richard Wagner. Die dramadsche Sdmmung, die Mahler bereits als Jugendlicher erzeugen konnte, spricht für seine frühe Begabung. Das Fragment seines KlavierquarteUs ist ein einzigardges und sein einziges Kammermusik-Dokument.
Das AdagieUo schrieb Mahler wohl im November 1901 als wortlose Liebeserklärung an Alma. StaU eines Briefes sandte er ihr das Manuskript, weiter kein Wort dazu. Sie hat es verstanden. Das traumverlorene

AdagieUo, das zudem ein Zitat aus Wagners »Tristan« enthält, ist in jeder Hinsicht ein Ausnahmestück. Es hält die Zeit an in einer Welt des absoluten Friedens.
Als Gustav Mahler im Sommer 1910 von der Affäre seiner Frau Alma erfährt, wendet er sich an Sigmund Freud. Ein an Mahler adressierter Liebesbrief von Walter Gropius galt eigentlich Alma. Der gefeierte Komponist ist am Boden zerstört. Ohne Zweifel stellt dieses Adagio in seiner alle tradidonellen Grenzen überschreitenden emodonalen Radikalität den Gipfel in Mahlers Spätwerk da. Dieses Adagio ist die Essenz spätromandscher schmerzvoller Schönheit: Ein Gesang der Liebe und der Klage in nie nachlassender emodonaler Intensität und todestrunkener Melancholie. Mahler scheint alles gesagt zu haben in dem einsam suchenden Einsdeg der Bratschen zu Beginn, dem weite Tonräume durchmessenden Liebes- und Todesgesang der Violinen, dem markerschüUernden Neuntonakkord und den vagen Zitaten des geliebten Wagner-Werks »Tristan«.

 

C L A R A

"Ich kann über die Quartette Nichts sagen, als dass sie mich entzückten bis ins Kleinste." Clara Schumann ist begeistert. Sie feiert ihren 23. Geburtstag, als die erste Aufführung in ihrem musikalischen Salon im September 1842 stattfindet. Melodien, die immer wieder um Clara kreisen, uraufgeführt als Geschenk zu Claras Geburtstag: "Ich betrachte sie immer noch als mein bestes Werk der frühen Zeit."

Schumann war beeindruckt von den späten Beethoven-Quartetten. Eine unerhört avantgardistische Musik, die der Komponist genau studierte, ehe er in nur zwei Monaten einen Zyklus dreier Quartette schrieb. Sie klingen ganz anders als Beethovens waghalsige Experimente. Eine Musik voller Anspielungen, beim Hören kaum zu enträtseln. Der intime Ton und die vokale Linie des Liederkomponisten Schumann verbindet sich hier mit Reminiszenzen an Beethoven. Was bei Beethoven als Choralvortrag wirkte, empfindet man jetzt bei Schumann noch weiter fortgeführt zu einem ganz persönlichen, innigen Gebet.

1846 trug sich Robert Schumann mit Gedanken zu einer Tristan-Oper, für die ihm Robert Reinick, Librettist seiner Oper „Genoveva“, ein Szenarium erstellt hatte. Da Wagner zu jener Zeit regelmäßig mit Schumann verkehrte, ist anzunehmen, dass er auch diesen Entwurf kannte.