I. T H E   G  O  L  D  E  N   R E C O R D

 

BACH  Präludium und Fuge in C-Dur aus WTK, BdII   (in einer Bearbeitung für Streichquartett)

STRAWINSKY  Le Sacre Du Printemps  (in einer Bearbeitung für Streichquartett und Schlagzeug)
BEETHOVEN  Streichquartett Nr.13, B-Dur op. 130

 

Igor Stravinskys Ballettmusik "Le Sacre Du Printemps" aus dem Jahr 1913 gilt als ein Wendepunkt der Musikgeschichte. Für Sir Simon Rattle ist “dieses energiegeladene Werk eines der kraftvollsten Stücke, die je geschrieben wurden: diese Musik erfasst unmittelbar den gesamten Körper und fühlt sich an, als würde sie direkt aus den Tiefen der Erde auftauchen…“ Das „Frühlingsopfer“, bzw. die „Frühlingsweihe“, die musikalische Darstellung eines „heidnischen Opferrituals“, löste bei seiner Uraufführung in Paris einen großen Skandal aus, eroberte aber nach und nach die Bühnen der Welt.
 
Die innige „Cavatina“ aus dem Streichquartett Nr.13 empfand Beethoven selbst als die „Krone aller Quartettsätze“. Er gestand, dass noch nie seine eigene Musik einen solchen Eindruck auf ihn hervorgebracht habe. Das Streichquartett op.130 entstand im Jahr 1825. Das Finale dieses Spätwerks war Beethovens letzte Komposition vor seinem Tod.
 
„Musik muss immer so klingen, wie man sie vorher nie gehört hat“ sagte der kanadische Pianist Glenn Gould, dessen Einspielung von Bachs „Präludium und Fuge in C-Dur“ aus dem 2. Band des „Wohltemperierten Klaviers“ sich auf der „Golden Record“ befindet.

Das neu gegründete „Voyager Quartet“ (bestehend aus Mitgliedern des Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, des Cherubini Quartetts und des Modern String Quartet) spielt dieses Schlüsselwerk in einer Bearbeitung für Streichquartett, bei der die Verteilung der Stimmen auf vier Streichinstrumente Bachs geniale Kunst des Kontrapunkts in einer ganz neuen Transparenz erklingen lässt

 

 

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II. T H E   I  N  N  E  R    S P A C E

D A S  U N I V E R S U M  I N  U N S

 

SCHUBERT  Die Winterreise, op.89, D 911 Gute Nacht, Irrlicht, Frühlingstraum    (in einer Bearbeitung für Streichquartett)

SCHÖNBERG  Verklärte Nacht    (Streichsextett)
SCHUBERT  Streichquartett Nr.15, G-Dur op. post. 161, D 887

 

WINTERREISE
Zweifellos hat Schubert in seinem bahnbrechenden Liedzyklus "Winterreise" die dunkle Seite der Sehnsucht nach Glück in Obsessionen, Ängsten, Bedrohungen, Gefühlen von Verlorenheit, Öde und Ausgesetztsein in vordem unbekannter Dosis und Eindringlichkeit bemerkbar gemacht. Sein instrumentaler Gesang kann als Auflösung der klassischen Gattungsgrenzen gesehen werden. In dieser neuen Bearbeitung für Streichquarett hört man das deutlich. Wiederholungen, die ähnlich wie Pausen gleichermaßen Stillstand und Unendlichkeit herstellen, machen Gegenwart als Erfahrung und Vertiefung des Da-Seins möglich. Das sind jene Momente, in denen die Zeit in einer seltsamen Mischung aus Überraschung, plötzlicher Sprachlosigkeit und energieschöpfender Pause wie still zu stehen scheint, die vielleicht am atemberaubendsten sind. Aber wie jedes große Meisterwerk spiegelt auch dieses nicht nur die düstere Seite des Lebens.

VERKLÄRTE NACHT
Sowohl die ekstatischen Gefühlskurven von Richard Dehmels dichterischer Vorlage als auch die an Richard Wagners „Tristan und Isolde" orientierte und bis ins Extrem weiterentwickelte Chromatik der Komposition, in der man Johannes Brahms und in der Anlage als Tondichtung auch Richard Strauss wiedererkennt, wirkte bei der Uraufführung 1902 in Wien so radikal neuartig, dass es so Schönberg "ausgezischt wurde und Unruhe und Faustkämpfe verursachte". Für uns heute zählt die "Verklärte Nacht" zum Schönsten der gesamten Streicherliteratur, ein Werk zwischen Zerbrechlichkeit und Hingabe, ein berauschendes Stück Jahrhundertwende-Musik.

STREICHQUARTETT NR. 15
Schuberts Streichquartett in G-Dur ist eine radikale, trostlose Auseinandersetzung mit dem Thema Dur und Moll, Leben und Tod, Mensch und Gott. Eine Seismografie des inneren Lebens und wenn die Musik wie aus der Ferne an unser Ohr dringt, verbinden sich in ihr unerledigte Vergangenheit und noch nicht erfüllte Zukunft zum Bild der Utopie. Im Laufe von fünfundvierzig Minuten bietet Schuberts Werk die Fülle eines ganzen Lebens. Die Lieder der "Winterreise" folgten dem Streichquartett im Abstand weniger Monate.

"Der Mensch ist ein Nichts gegenüber dem All - und ein All gegenüber dem Nichts.“ Blaise Pascal